Donnerstag, 9. Februar 2017

400 Jahre Brauchtum ... mit begründet von meiner Familie



400 Jahre Brauchtum ... mit begründet von meiner Familie


Auch hier wütete ca. 1620 die Pest und der 30- Jährigen Krieg und forderte viele Opfer. Die geschwächten Bauern schafften es nicht mehr ihre Toten in die Stadt zu bringen, um sie dort zu beerdigen. Das übernahmen Arme aus der Stadt, die die Tote mit Holzkarren kilometerweit in die Stadt führen und auch beisetzten.

Als Dank für diese Hilfe und weil man die Seuche überstanden hatte, schworen 9 Bauern, darunter meine Vorfahren ... jährlich an Lichtmess und Martini Brot & Butter an die Armen zu verteilen. Sie legten nun 2 x im Jahr 16 große Bauernbrote und 1 kg Butter aus für Arme. Das geschieht immer am 01.02. und am 10.11. jeweils von 13 bis 14 Uhr.

Dabei wechseln sich die Bauernhöfe als Ausgabeort ab.So, daß alle 8 Jahre ein Bauer mit der Ausrichtung an der Reihe ist.

Das Foto zeigt nun meinen Opa im Jahr 1955 vor dem Westfälischen Kamin auf seinem Bauernhof bei der Ausgabe der Brote.

 Erschien hier in der ortsansässigen Presse 1955. Fotografiert habe ich es aus einem Buch. Da das Original bei der Presse liegt.

In den Kriegsjahren kamen an die 100 Bedürftige und Hungernde ... auch auf den Bauernhof meiner Familie.

Als Mitte des 18 Jhdts. immer weniger Bedürftige kamen wurde beschlossen um 1873 die Brotspende ausfallen zu lasen. Bald darauf wurde die Bauernschaft von einem großen Viehsterben heimgesucht. So besann man sich bald darauf wieder auf das Gelübde der Vorväter und führte es wieder ein.

Nun könnt ihr euch ganz evtl. denken mit welchen Werten ich aufgewachsen bin und erzogen wurde.

Offensichtlich gab es auf dem Bauernhof mehr als genug, um großzügig geben zu können!!!

Nie wurde neidisch auf einen anderen geschaut ... . Denn es gab wohl einfach keinen Grund dafür. :)

Lange war mir das nicht bewusst ... doch nun als Mama ... entdecke ich die Werte bewusster, die ich lebe, da ich mit ihnen aufgewachsen bin und erzogen bin ... weil ich diese natürlich weiter geben möchte.

Das sind die Dinge, die einem niemand nehmen kann ... und stolz bin ich, daß meine Familie ein solches Brauchtum mit begründet und gepflegt hat, das sogar in Büchern vorgestellt wird. Vor allem bin ich stolz, daß man so großzügig gegeben hat!!!


Euch Lieben wünsche ich eine schöne Restwoche!

Herzlichst, Bea von Lovely Vintage

Quelle: Bräuche im Dlm. Raum - Laumann Verlag
Westfalenspiegel v0n 1958

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